Modern – innovativ – nachhaltig

Die sozial-orientierten Wohnungsunternehmen unter dem Dach des vdw Niedersachsen Bremen sehen sich seit Jahren als Dienstleister rund ums Wohnen. Es geht ihnen nicht mehr nur darum, vier Wände zu vermieten. Dieser Paradigmenwechsel zu einer in erster Linie serviceorientierten, stets dem Kunden zugewandten Branche fordert von der Wohnungswirtschaft, sich mit vielen Themenbereichen auseinanderzusetzen, die unmittelbar oder auch zunächst nur am Rande mit dem Wohnen zu tun haben. Das macht die Aufgabe reizvoll, aber auch komplex. Den gesamtgesellschaftlichen Fragestellungen etwa zum Klimaschutz, zum demografischen Wandel oder zu den Chancen und Risiken der Digitalisierung kann und will sich die Wohnungswirtschaft nicht entziehen. Diese Themenvielfalt spiegelt sich auch in der Verbandsarbeit des vdw wider.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit-Bienenhotel

Schwerpunktthema des vdw für das Jahr 2021 ist Nachhaltigkeit. Sowohl Interessen-, als auch Prüfungsbereich werden Informations- und Beratungsangebote für die Mitgliedsunternehmen entwickeln. Dabei setzt der Verband auch auf externe Unterstützung, z.B. durch den Wirtschaftsethiker Professor Nick Lin-Hi von der Uni Vechta. Ein zentraler Baustein, die Unterstützung bei der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten, ist dabei schon fertig, und diese Verbandsdienstleistung wurde auch schon von einigen Unternehmen nachgefragt.

Nachhaltigkeit

Das Thema Nachhaltigkeit nimmt nicht nur beim vdw, sondern auch bei immer mehr Wohnungsgenossenschaften und –gesellschaften einen immer höheren Stellenwert ein. Der Dreiklang aus wirtschaftlichem Erfolg, sozialem Verantwortungsbewusstsein und klimaschonendem Planen und Handeln wird zusehends in Unternehmensstrategien abgebildet. Und zwar aus Überzeugung, nicht aus Marketingerwägungen. Bei der Betrachtung aller Unternehmensprozesse rückt natürlich auch das Bauen schnell in den Vordergrund. Der „Verein zur Förderung der Nachhaltigkeit im Wohnungsbau e.V. (NaWoh)“ unterstützt dabei mit qualifizierter Beratung und zertifiziert beispielhafte Neubauprojekte, wie etwa das „Cambrai Dreieck“ der GEWOBA in Bremen-Huckelriede (Foto).

Nachhaltigkeit GEWOBA

In einem Gespräch haben sich Verbandsdirektorin Dr. Susanne Schmitt und der Präsident des Sparkassenverbands Niedersachsen, Thomas Mang, über die Bedeutung von Nachhaltigkeitskonzepten unterhalten. Ihr Fazit: „Die Kunden erwarten, dass wir uns mit Nachhaltigkeit beschäftigen“.

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Klimaschutz

Klimaschutz ©Fotolia_Omika

Laut einer Studie von Boston Consulting Group und Prognos sind zum Erreichen der deutschen Klimaziele in den kommenden drei Jahrzehnten im Sektor „Haushalte und Gebäude“ Investitionen von 480 bis 680 Milliarden Euro erforderlich. Von diesen entfallen rund 400 Milliarden Euro auf energetische Sanierungsmaßnahmen, emissionsärmere Heiztechnologien und Gebäudeautomation. Hinzu kommen rund 80 Milliarden Euro für energiesparendere Lampen und Haushaltsgeräte. Klimaschutz bleibt also das Megathema schlechthin für die Wohnungswirtschaft. Der vdw hatte als Überschrift über seine Jahresauftaktveranstaltung 2020 etwas schnippisch formuliert: „Alles Greta, oder was? Wirtschaft unter Druck“. Die zahlreichen Referenten skizzierten in ihren Beiträgen, was auf Wohnungswirtschaft und Stadtplanung zukommt, um die internationalen Klimaziele erreichen zu können. Obwohl die vdw-Mitglieder in den vergangenen Jahren durch zahlreiche energetische Maßnahmen die Klimabilanz ihres Bestandes erheblich verbessert haben, werden man sich nicht mit dem Erreichten zufriedengeben können. Der vdw hat deshalb auch im vergangenen Jahr intensiv auf die Politik eingewirkt. Ein wichtiges Thema dabei: bessere Rahmenbedingungen für Mieterstromkonzepte, um damit dezentralen Versorgungskonzepten zum Durchbruch zu verhelfen.

Darüber hinaus hat sich der Verband positiv dazu geäußert, dass der Klimaschutz als Staatsziel in die Niedersächsische Verfassung aufgenommen wird – es muss aber noch mit konkreten Maßnahmen hinterlegt werden. Der vdw pflegt eine Partnerschaft mit der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (siehe Foto), unterstützt die Klimaallianz Hannover, hat gemeinsam mit der agWohnen Bremen-Bremerhaven die Untersuchung der CO2-Emissionen im Wohnungsbestand angeregt und engagiert sich für die verstärkte Verwendung von Holz als Baustoff.

Der vdw wird auch aktiv einen Beitrag zum Klimaschutz leisten: Auf dem Dach des Verbandshauses ist die Installation einer Solaranlage zur Stromerzeugung geplant.

Eine anregende Lektüre zu dem Thema:

"Für einen konstruktiven Umgang mit dem Klimawandel" von Professor Dr. Hans von Storch, Klimaforscher, Hamburg

Quartier

Corona

Der Abschluss des vom Land Niedersachsen geförderten „Quartiersprojektes“ im Sommer 2019 war für den vdw nur ein Zwischenschritt. Das Thema bleibt selbstverständlich auf der Tagesordnung. Zumal sich in der Zeit von Corona eindrucksvoll gezeigt hat, welchen Wert intakte Nachbarschaften und funktionierende Quartiersnetzwerke haben. Viele Wohnungsunternehmen ließen sich etwas einfallen, organisierten Hinterhofkonzerte, animierten zum Balkonsport oder luden ihre Mieter ins Autokino ein.

Neben den sozialen Aspekten des Quartiersgedankens rücken immer mehr auch integrierte energetische Quartierskonzepte in den Vordergrund. Sie zeigen unter Beachtung städtebaulicher, denkmalpflegerischer, baukultureller, wohnungswirtschaftlicher, demografischer und sozialer Aspekte die technischen und wirtschaftlichen Energieeinsparpotenziale im Quartier auf. Ziel sind koordinierte Maßnahmen, um Kohlenstoffdioxid-Emissionen nachhaltig zu reduzieren. Gefragt sind u.a. dezentrale Versorgungsstrategien. Daher setzt sich der vdw so vehement für den Ausbau von Mieterstromangeboten ein.

Darüber hinaus hat sich der Verband in einer umfangreichen Stellungnahme zum Niedersächsischen Quartiersgesetz geäußert.

Derzeit nehmen drei Initiativen in Niedersachsen Fahrt auf, an denen der vdw entscheidend beteiligt ist: So soll auf Landesebene ein „Bündnis für gute Nachbarschaften“ gegründet werden. Losgelöst davon bereitet der vdw mit der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt ein Positionspapier zum Wert „guter Nachbarschaften“. Und schließlich will die Sicherheitspartnerschaft im Städtebau einen Kriterienkatalog entwickeln, um „gute und sichere Nachbarschaften“ bewerten zu können.

Digitalisierung

Digitalisierung vdw

Der digitale Wandel hört in der Wohnungswirtschaft nicht bei der Umstellung auf ein neues ERP-System auf. Die Unternehmen im vdw reagieren bereits mit vielen Innovationen auf den Trend. Der Verband moderiert und unterstützt diesen Trend mit zahlreichen Informationsveranstaltungen und über den Fachausschuss IT, in dem die Digitalisierung regelmäßig einen Schwerpunkt bildet.

Das Thema hat viele Facetten, etwa Datenschutz und die wachsende Bedeutung von Homeoffice und mobilem Arbeiten. Darüber hinaus haben viele Prozesse durch die Digitalisierung erhebliche Effizienzpotenziale, z.B. in der Vermietung, der digitalen Rechnungsbearbeitung und Archivierung, im Projektmanagement oder bei der digitalen Personalsachbearbeitung. Das führt zu nahtloseren Prozessen, effektiveren Datennutzungen, mehr Wettbewerbsfähigkeit und letztlich zu einer höheren Kunden- aber auch Mitarbeiterzufriedenheit. Auch hierzu bietet der Verband entsprechende Beratungsleistungen an oder kann diese vermitteln.

Smart Living

Smart Living

Digitale Assistenzsysteme in den Wohnungen sollen Mietern den Alltag erleichtern und in Notsituationen helfen. Immer mehr Mitgliedsunternehmen des vdw loten derzeit die Chancen aus, die sich durch die Entwicklung solcher Systeme ergeben könnten. Vorreiter in vielerlei Hinsicht ist die Nibelungen Wohnungsbau in Braunschweig, aber auch andere Wohnungsgenossenschaften und –gesellschaften nutzen digitale Innovationen aus dem Bereich „Smart Home“.

Das Thema geht aber längst über Einzellösungen hinaus und wird nach und nach zu einer Gesamtstrategie für die Wohnungswirtschaft. Der Verband bildet diese Entwicklung mit seinem Engagement im Smart-Living-Cluster Niedersachsen ab, das im September offiziell an den Start gegangen ist. Dazu erklärte Verbandsdirektorin Dr. Susanne Schmitt: „Die Digitalisierung bietet großes Potenzial für Innovationen in der Wohnungswirtschaft: Intelligente Gebäudetechnik kann wirksam Schutz etwa vor Einbruch, Feuer oder Wasserschäden bieten. Neue Technologien für die Wartung und den energieeffizienten und wirtschaftlichen Betrieb eines Wohnhauses leisten einen Beitrag zum Klimaschutz. Innovative Assistenzsysteme ermöglichen Pflegebedürftigen ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Zuhause. Auch ergeben sich durch die Digitalisierung neue Formen des Zusammenspiels von Wohnen und Arbeiten. Mit dem Smart-Living-Cluster wollen wir zeigen, dass die Wohnungswirtschaft ein maßgeblicher Treiber von Digitalisierung ist.“

Ziel des Clusters ist es, bestehendes Wissen zu bündeln und Anforderungen an digitale Anwendungen in der Wohnungswirtschaft zu formulieren. Dafür befassen sich vier Arbeitsgruppen mit den Themen Gebäudetechnik/Building Information Modeling (BIM), rechtliche Fragen, Arbeit/Wohnen und Gesundheit und Wohnen (Ambient Assisted Living, AAL). Alle Arbeitsgruppen haben bereits Projektskizzen verfasst, die nun konkret umgesetzt werden können. Plattformen sollen entstehen, auf denen Erfahrungsaustausch zwischen den Wohnungsunternehmen stattfinden, Allianzen geschmiedet und eine Verbindung zwischen der Wohnungswirtschaft und der wissenschaftlichen Forschung geschaffen werden können. Erreicht werden soll dieses durch die Etablierung einer Innovationsinfrastruktur aus automatisierten, real bewohnten Gebäuden in großer Zahl sowie die Gründung und Erhaltung eines Innovationsnetzwerkes aus wohnungswirtschaftlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Partnern.

Mobilität

e-up

Wohnungsmieter wollen Auto fahren. Daher brauchen sie mindestens einen Stellplatz im Freien oder einen Platz in der hauseigenen Tiefgarage. Lehrsätze wie in Stein gemeißelt durch deutsche Planungsbüros und Genehmigungsbehörden – koste es, was es wolle. Doch diese scheinbaren Selbstverständlichkeiten geraten ins Wanken. Stattdessen rücken Fragen der Wirtschaftlichkeit, des Klimaschutzes und der sozialen Verträglichkeit in den Vordergrund, wenn über innerstädtische Verkehrsstrategien diskutiert wird.

Vielerorts machen sich vdw-Mitgliedsunternehmen Gedanken über zukunftsfähige Mobilitätskonzepte. Nicht nur in Braunschweig, wo die kommunale Wohnungsgesellschaft Nibelungen und die Braunschweiger Baugenossenschaft vermehrt aufs Fahrrad setzen.

Mobilität-Fahrräder

Fragen der Mobilität haben aber auch weitere Auswirkungen für die Wohnungswirtschaft; insbesondere die zunehmende Nachfrage nach E-Autos und E-Bikes bringt neue Aufgaben mit sich. So müssen etwa Ladestationen mittlerweile mitgeplant werden.

An der Schnittstelle von Nachhaltigkeit und Mobilität hat der vdw – wie zuvor schon etliche Mitgliedsunternehmen – ein starkes Zeichen für mehr Klimaschutz im Straßenverkehr. gesetzt. Für kurze und mittlere Strecken in Hannover und der Region wurde ein Elektroauto angeschafft. Der e-up! hat 83 PS. Mit einer Akkuladung kommt er mindestens 200 Kilometer weit. Auf der tiefschwarzen Karosserie weisen Aufkleber auf den vdw Niedersachsen Bremen hin. Direkt am Verbandsgebäude wurde eine Wallbox installiert, die den kompakten Viertürer bei Bedarf mit Strom versorgt.

Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft
in Niedersachsen und Bremen e.V. - 2021