Sozial – umweltbewusst - erfolgreich

Die sozialorientierten Wohnungsunternehmen unter dem Dach des vdw Niedersachsen Bremen sehen sich seit Jahren als Dienstleister rund ums Wohnen. Es geht ihnen nicht nur darum, vier Wände zu vermieten. Dieser Paradigmenwechsel zu einer in erster Linie serviceorientierten, stets dem Kunden zugewandten Branche fordert von der Wohnungswirtschaft, sich mit vielen Themenbereichen auseinanderzusetzen, die unmittelbar oder auch zunächst nur am Rande mit dem Wohnen zu tun haben. Das macht die Aufgabe reizvoll, aber auch komplex. Den gesamtgesellschaftlichen Fragestellungen etwa zum Klimaschutz, zum demografischen Wandel oder zu den Chancen und Risiken der Digitalisierung kann und will sich die Wohnungswirtschaft nicht entziehen. Diese Themenvielfalt spiegelt sich auch in der Verbandsarbeit des vdw wider.

Klimaschutz

klimaschutz pv
Das Klimaschutzprogramm des Bundes sieht derzeit vor, dass im Gebäudesektor der Ausstoß von Treibhausgasen von heute 117 Millionen Tonnen CO2 auf 70 Millionen Tonnen im Jahr 2030 gesenkt wird. Bis 2045 soll der Sektor CO2-neutral sein. Dafür ist ein massiver Sanierungsschub notwendig – nicht zuletzt bei den Wohnimmobilien. Allein für den Wohnungsbestand der vdw-Mitglieder bedeutet das die energetische Modernisierung von Zehntausenden Wohnungen unterschiedlichster Baualtersklassen. Eine Herkulesaufgabe nicht nur angesichts immer höherer Baukosten. Die Wohnungswirtschaft schlägt daher andere Wege vor, um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen. Wir sind für abgestimmte Zielvorgaben für Quartiere und nicht nur für einzelne Objekte. Und wir müssen die Energieversorger zur Bereitstellung klimaneutraler Energie verpflichten. Aber: CO2-Einsparung gibt es nicht zum Nulltarif. Es bedarf einer Vielzahl von Fördermöglichkeiten, einer Harmonisierung der Programme sowie einer Bündelung und Beschleunigung nachhaltiger Quartiersentwicklung. Natürlich sind auch Mieterstrom-Modelle ein Kern der Energiewende.

Die Bremer Wohnungswirtschaft hat eine erste Zwischenbilanz ihrer Klimaschutzanstrengungen vorgelegt. Die sozial-orientierten Wohnungsunternehmen in Bremen und Bremerhaven konnten mit einem Mix verschiedener Maßnahmen den CO2-Ausstoß ihrer fast 62.000 Wohnungen im Zeitraum von 2005 bis 2019 um rund 67.000 Tonnen pro Jahr senken. Das ist ein Minus von 42 Prozent. Weil das immer noch nicht reicht, fordern sie einen verbindlichen Fahrplan der Energieversorger hin zu einer 100 Prozent klimaneutralen und grünen Wärmeversorgung.

Wohnen und Klimaschutz
Wir brauchen einen sozialverträglichen Klimaschutz. Bezahlbares Wohnen und Klimaschutz dürfen sich nicht ausschließen. Wer Klimaschutz sozialverträglich erreichen will, muss langfristig bezahlbare Mieten garantieren. Nur so kann Wohnen dauerhaft auch für Haushalte mit geringeren Einkommen gesichert werden. Um diese komplexen Ziele zu erreichen, pflegt der vdw u.a. Partnerschaften mit der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (Aktion Grüne Hausnummer)

und der bundesweiten „Initiative Wohnen.2050“
, unterstützt die Klimaallianz Hannover und engagiert sich für die verstärkte Verwendung von Holz als Baustoff. Der vdw wird auch aktiv einen Beitrag zum Klimaschutz leisten: Auf dem Dach des Verbandshauses ist die Installation einer Solaranlage zur Stromerzeugung geplant.

Anregende Lektüre zu dem Thema:

„…noch immer auf einem gefährlichen Pfad“
sowie
„Appell an die Politik“
und
„Viel hilft viel – oder wie wenig ist genug“ – Fachbeitrag von Prof. Dr. Elisabeth Endres

Quartier

gruppenbild auftaktveranstaltung

Gute Nachbarschaften entstehen nicht durch schöne Worte, sondern durch verantwortungsvolles Handeln. In diesem Sinne sorgt der vdw-Fachausschuss Quartier auch nach Abschluss des vom Land geförderten Quartiersprojektes für Erfahrungsaustausch und neue Impulse. Unter anderem ging es bei den Treffen im Jahr 2021 um digitale Vernetzungen in Nachbarschaften.

Und das Thema Quartier ist weiterhin auch ein Bindeglied zwischen Wohnungswirtschaft und Politik. Herausragend im vergangenen Jahr war die Gründung des „Bündnisses für gute Nachbarschaften“. Bereits im April versicherten Bauminister Olaf Lies und zahlreiche Verbände und Institutionen, im Netzwerk Kompetenzen Gestaltungsmöglichkeiten einzubringen. Offiziell wurde das Bündnis Ende Oktober gegründet. Die Gründungsveranstaltung wurde dabei live im Internet übertragen, und Hunderte von Niedersachsen verfolgten den Livestream. Dabei wurden als Ziele immer wieder Vielfalt, Sicherheit und mehr Lebensqualität betont. Bei einer Online-Befragung unter „Nachbarn“ wurden Begriffe wie „Glück“, „Vertrauen“ und „Respekt“ im Zusammenhang mit „guter Nachbarschaft“ genannt. Verbandsdirektorin Dr. Schmitt machte sich ebenfalls stark für ein gutes Miteinander in den Quartieren. „Unsere sozialorientierten Unternehmen kümmern sich seit vielen Jahren um ihre Nachbarschaften, beschäftigen Sozialarbeiter und bringen die Menschen in den Quartieren zusammen.“ Ziel des Bündnisses müsse es sein, Netzwerke zu etablieren, Akteure vor Ort zu motivieren und das Ehrenamt zu stärken. Fazit der Auftaktveranstaltung: „Gute Nachbarschaften – das sind wir alle!“ Mehr zum Bündnis unter www.gutenachbarschaft-nds.de

Auch auf Gesetzgebungsebene wird die Stärkung von Quartieren unterstützt. Richtlinien zur Förderung von Quartiersinitiativen sowie für Klimaschutz und Klimaanpassung im Quartier wurden vom vdw im Beteiligungsverfahren positiv bewertet.

Die gute Arbeit der vdw-Mitglieder bleibt nicht unbemerkt. So zeigte sich die Niedersächsische Sozialministerin Daniela Behrens bei ihrem Besuch in Northeim vom Quartiersprojekt Q4 der örtlichen Wohnungsgesellschaft und den Johannitern mehr als angetan.

q4 daniela behrens

Mobilität

ostland

Viele deutsche Großstädte stehen vor der Herausforderung, ausreichend Wohnraum für eine wachsende Bevölkerung bereit zu stellen und sehen sich dabei einer hohen Flächenkonkurrenz für andere Nutzungszwecke gegenüber. Für die flächeneffiziente Entwicklung von Wohnquartieren stellt unter anderem die Herstellung neuer Verkehrsinfrastruktur eine Einschränkung dar, wobei speziell die Errichtung von Parkraum immense Flächen benötigt. Der Frage, wie man als Wohnungsunternehmen lebenswerte Quartiere entwickeln kann, wo einerseits das Verkehrsaufkommen durch den Individualverkehr reduziert ist, andererseits flächeneffizient gebaut wird, ist Henry Dürkop in seiner nachgegangen. Darin wurden Potenzial und aktueller Stand von Mobilitätsangeboten im Wohnungsbau in Hannover elaboriert. Zur Gewinnung eines Eindrucks über den Stellenwert dieser Angebote wurden u.a. vdw-Mitgliedsunternehmen mit Wohnungsbestand in Hannover zu ihren geplanten und bereits umgesetzten Mobilitätsmaßnahmen befragt. Diese Erhebungen haben gezeigt, dass elf der zwölf befragten Unternehmen nachhaltige Mobilitätsangebote im Wohnungsbestand und -neubau bereits umgesetzt bzw. geplant haben. Besonders beliebt sind die Errichtung von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge (100%), Fahrradparkplätze außerhalb des Gebäudes (82%) sowie abschließbare Fahrradgaragen (73%). Daneben nimmt die Bedeutung von Lastenrad-Verleihangeboten für die Mitglieder (73%) sowie das Angebot an Carsharing-Fahrzeugen (64%) deutlich zu. Insgesamt haben die Befragung sowie die Expertengespräche deutlich ergeben, dass das Thema von nachhaltigen Mobilitätsangeboten im Wohnungsbau durch die Wohnungsgesellschaften in Kooperation mit Kommunen und Mobilitätsdienstleistern in aktuelle Planungen mehr und mehr integriert wird. Auch beim Nationalen Fahrradkongress war der vdw an der Seite der Nibelungen Wohnbau beteiligt. Nibelungen-Geschäftsführer Torsten Voß betonte: „Die neue Mobilität ist ein Megatrend. Technische Innovationen und veränderte Bedürfnisse der Menschen werden zum Motor neuer Formen der Fortbewegung: vernetzt, digital, postfossil und geteilt.“ Sein Unternehmen setzt in Quartieren eigene Mobilitätskonzepte um. So konnten bei einem Neubauprojekt mit 180 Wohnungen 36 teure Tiefgaragenplätzen eingespart werden. Fazit: Wohnen und Mobilität müssen zusammen geplant werden, damit ökologisch nachhaltige Quartiere entstehen. Mobilitätsangebote werden künftig das Dienstleistungsportfolio von Wohnungsunternehmen erweitern und damit zum Wandel in der mobilen Stadtgesellschaft beitragen.

Einen Film über das Projekt der Nibelungen-Wohnbau-GmbH finden Sie hier:

https://www.youtube.com/watch?v=QMPikbtpumY

Digitalisierung

digitalisierung

Der digitale Wandel hört in der Wohnungswirtschaft nicht bei der Umstellung auf ein neues ERP-System auf. Die Unternehmen im vdw reagieren bereits mit vielen Innovationen auf den Trend. Der Verband moderiert und unterstützt diesen Trend mit zahlreichen Informationsveranstaltungen und über den Fachausschuss Digitalisierung. Das Thema hat viele Facetten, etwa Datenschutz und die wachsende Bedeutung von Homeoffice und mobilem Arbeiten. Darüber hinaus haben viele Prozesse durch die Digitalisierung erhebliche Effizienzpotenziale, z.B. in der Vermietung, der digitalen Rechnungsbearbeitung und Archivierung, im Projektmanagement oder bei der digitalen Personalsachbearbeitung. Das führt zu nahtloseren Prozessen, effektiveren Datennutzungen, mehr Wettbewerbsfähigkeit und letztlich zu einer höheren Kunden- aber auch Mitarbeiterzufriedenheit. Auch hierzu bietet der Verband entsprechende Beratungsleistungen an oder kann diese vermitteln. Die Verbandskommunikation hat dem Megathema auch im Jahr 2021 viel Platz eingeräumt. Im magazin haben zahlreiche Experten Gastbeiträge veröffentlicht. Dabei zeigte sich immer häufiger, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit eng miteinander verknüpft sind.

thema bitkom gebaudestudie

Smart Living

smart living co working quartier

Digitale Assistenzsysteme in den Wohnungen sollen Mietern den Alltag erleichtern und in Notsituationen helfen. Immer mehr Mitgliedsunternehmen des vdw loten derzeit die Chancen aus, die sich durch die Entwicklung solcher Systeme ergeben könnten. Vorreiter in vielerlei Hinsicht ist die Nibelungen Wohnungsbau in Braunschweig, aber auch andere Wohnungsgenossenschaften und –gesellschaften nutzen digitale Innovationen aus dem Bereich „Smart Home“. Das Thema geht aber längst über Einzellösungen hinaus und wird nach und nach zu einer Gesamtstrategie für die Wohnungswirtschaft. Der Verband bildet diese Entwicklung mit seinem Engagement im Smart-Living-Cluster Niedersachsen ab. Ziel des Clusters ist es, bestehendes Wissen zu bündeln und Anforderungen an digitale Anwendungen in der Wohnungswirtschaft zu formulieren. Dafür befassen sich vier Arbeitsgruppen mit den Themen Gebäudetechnik/Building Information Modeling (BIM), rechtliche Fragen, Arbeit/Wohnen und Gesundheit und Wohnen (Ambient Assisted Living, AAL).

smart living

Aus dem „Smart Living Cluster Niedersachsen“ ist das Gundlach-Pilotprojekt „Co-Working im Quartier Herzkamp“ in Hannover-Bothfeld entstanden. Die umgestaltete Drei-Zimmer-Wohnung mit sechs Arbeitsplätzen wurde im vorigen Sommer im Beisein von Staatssekretär Stefan Muhle, Verbandsdirektorin Dr. Susanne Schmitt und Gundlach-Geschäftsführer Dr. Frank Eretge eröffnet. Im umliegenden Quartier errichtet Gundlach-Immobilien rund 300 neue Wohnungen und Reihenhäuser. „Diese neue Form von Co-Working – in unmittelbarer Nähe zur Wohnung – kann zum Vorbild für Wohnquartiere in ganz Niedersachsen werden. Die Arbeitsplätze sind gleichzeitig flexibel, bedarfsgerecht ausgestattet und direkt vor Ort. Damit werden die Vorteile vom Arbeiten zu Hause mit denen des professionellen Büroarbeitsplatzes kombiniert. Deshalb fördert das Wirtschaftsministerium das Projekt mit 46.000 Euro“, sagte Muhle. „Ein wegweisendes Projekt von Gundlach, das genau in unsere Zeit passt und sicherlich viele Nachahmer in der Wohnungswirtschaft finden wird“, ergänzte Dr. Schmitt.

Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft
in Niedersachsen und Bremen e.V. - 2022